Zum Werk
Der Siebdruck “Hemd” beruht auf einem Spiel mit dem Gesetz von Figur und Grund. Dieses Gesetz der Gestaltpsychologie besagt, dass man ein Bild immer in zwei Komponenten aufteilt: in eine Figur, die scharf und durchgegliedert im Vordergrund gesehen wird, und in einen Grund, der eher diffus im Hintergrund wahrgenommen wird. Eine solche Eindeutigkeit der Figur-Grund-Beziehung ist in diesem Bild nicht gegeben. Lässt man den Bildtitel einmal außer acht, so wird die Bedeutung “Hemd” nicht unmittelbar aus den drei schwärzlichen Flächen ersichtlich. Sie können bizarr geformte “Puzzleteile” sein, die noch ungeordnet auf einem weißen Grund liegen. Der Künstler hat diese drei Formen jedoch so geschickt aufeinander bezogen, dass der Betrachter willkürlich dem weißen Grund eine Figur-Bedeutung beimisst. Die Konturen der drei Puzzleteile lassen nämlich sofort 2 Hände erahnen, die das Hemd halten. Nicht nur die Hände, sondern der ganze Körper kann visuell nachvollzogen werde, obwohl der objektiv gar nicht vorhanden ist. Eine entscheidende Hilfestellung zum Entschlüsseln des Bildes gibt der Künstler durch das Bild im Bild: das Bildmotiv wiederholt sich in verkleinerter Form in der unteren linken Bildecke, diesmal jedoch mit umgekehrter Figur-Grund-Beziehung.