Zum Werk
Der Titel "Steinblüten", den Verena Vernunft einer 1973 entstandenen Radierung gegeben hat, ist eine Wortschöpfung, die mit feinsinniger Ironie auf die Veränderungen in der Natur aufmerksam macht, denn tote Materie (Steine) wird mit Wachstum und Blühen (Blüten) gleichgesetzt. Weder die Steine noch die im Hintergrund erkennbaren Wrackteile alter Autos vermitteln den Eindruck von lebendiger Natur. In ihrem aggressiv-plakativen Realismus kommt Verena Vernunft der Gruppe Zebra sehr nahe: in über deutlicher Prägnanz wurden die Steine bezeichnet und durch eine dunkle Kontur voneinander getrennt. Der Horizont ist dicht unter die Bildoberkante gerutscht, so dass das Steingeröll ein massives Übergewicht in diesem Bild erhält. Selbst die Autoteile werden von ihrer Masse fast verdrängt. Oberhalb des Horizontes ist nichts als Dunkelheit zu sehen, ein Ausblick auf "wirkliche" Natur nicht gegeben und lässt das Bild zu einem Sinnbild vom Zerfall und Zerstörung werden. In dem Bild ist keine nostalgische Sentimentalität zu spüren, sondern eher eine mahnende kritische Haltung zu Negativentwicklungen.