Die Mehrheit der naiven Maler arbeitet selten vor dem Motiv, sondern zu Hause, gleichsam aus dem Gedächtnis heraus, aus einem Vorrat an inneren Bildern. Die naive Malerei hat somit von sich aus eine phantastische Komponente, die bei Malern wie Rousseau besonders in Erscheinung tritt. Die naiven Künstler, fast ausschließlich aus anderen Berufen stammend – fanden zumeist auf autodidaktischem Weg zu einer ausdrucksstarken Kunst. Neben Jan Balet und Henri Rousseau (Schweiz) sind weitere wichtige Vertreter der naiven oder auch „primitiven“ Kunst Louis Viven (Frankreich) und Grandma Moses (USA). Neben der Entwicklung der Malerei in den einzelnen Stilepochen steht das von Schuldisziplinen und Tradition, vom Geschehen auf der aktuellen Kunstszene unbeeinflusste Schaffen der naiven Künstler. Bildvorstellung und Wirklichkeit sind eins in ihren Bildern; sie schaffen damit im Malprozess eine Verbildlichung der individuellen Identität des Erlebens, wie sie auch bei Kindern und Naturvölkern vorhanden ist, eine Unbewusstheit, die zwischen Abbild und Sein nicht unterscheidet.